StartseiteWas es gabJugend-Kunstpreis 2008

Verleihung des Jugend-Kunstpreises der Initiative Kunst und der der Stadt Hennef
(zu den Fotoimpressionen...)

Um siebzehn Uhr eröffnete das Urgestein des kritischen Kunstjournalismus, Jürgen Raap und sein Kompagnon Bär aus Köln mit einer launischen Reise durch das Ausstellungswesen im Allgemeinen und der Frage „Wie erreiche ich als Künstler Aufmerksamkeit?“ im Besonderen den Reigen der Begründungen für die Preisverleihung.


Folgende JugendKunstPreise wurden verliehen:

Preis der Kreissparkasse Köln 200 Euro an
Sara Ludes (Altersgruppe 18-25 Jahre) (1. Preis)

Preis der Stadt Hennef je 100 Euro an
Renan Sanyüz sowie an Annina Schumann und Miriam Bork (Altersgruppe15-17 Jahre, geteilter 1. Preis)

Publikumspreis der IKH 200 Euro an
Nina Groß



Weiterhin lobend erwähnt wurden wegen erkennbarem Entwicklungspotential
Eva Zukunft, Ruth Boersma, Donata Kramarz und Alyona Hirsekorn sowie die Schulklassen der GHS Am Neuenhof Siegburg (Lehrerin Frau Bund) und die Realschule Hennef (Lehrerin Frau Peters).

Fast zweihundert junge Menschen mit ihren Familien, Freundinnen und Freunden warteten gespannt auf die Preisverleihung und applaudierten den Gewinnerinnen lautstark.



 

Die Begründungen

Preis der Kreissparkasse Hennef 200,- Euro (18. bis 25. Jahre)

Das Werk der 18jährigen Sarah Ludes überzeugt durch seine gestalterische Qualität ebenso wie durch die vielschichtige Verarbeitung des gestellten Themas und erhält somit den Preis der Kreissparkasse Köln, dotiert mit 200 Euro. Auf den ersten Blick scheint das Bild das gestellte Thema kaum aufzugreifen. Davon sollte man sich nicht täuschen lassen, denn um die Qualitäten des Werkes zu erkennen, muss man dem Bild Zeit geben, seine Wirkung zu entfalten. Die Unordnung der Welt scheint sich für das zentral angeordnete, hell betonte Kind mit weit aufgerissenen Augen nicht zu erschließen, dessen konturlose Mutter es vielleicht mit dem Satz "sei artig und kommt jetzt" mit sich zieht.



Das aber ist nur die oberflächliche Betrachtung. Wir sehen – hervorragend dargestellt – vorbeihastende Menschen, einen Bus, eine Straßenbahn, Autos, Kennzeichen städtischen Lebens, im Hintergrund rechts eine Silhouette, die sich im Busfenster links spiegelt, Ampeln, die rot, gelb und grün zugleich anzeigen. Was ist hier artig, unartig oder gar bösartig? Die Menschen, die dunkel aufragenden Gebäude, die sich wie eine Lawine nähernden Autos, die Mutter, das Kind? Es bleibt dem Betrachter überlassen, denn das Bild beantwortet diese Fragen nicht, es stellt diese Fragen. Und das tut es in einer Weise, die die Komplexität hinter den scheinbar so eindeutigen Worten artig, unartig, bösartig erahnen lässt.



Preis der Stadt Hennef 200,- Euro (15. bis 17. Jahre)

Der Preis der Stadt Hennef verteilt sich auf zwei Werke, die durch Kreativität und Originalität hervorstechen. Beide Werke haben die Jury so sehr überzeugt, dass eine Entscheidung für das eine und somit gegen das andere nicht möglich war.

Das eine Werk ist von Renan Senyüz, 15 Jahre, und trägt den Titel "The empire of sign has many clothes but no substance".



Es zeigt eine artige, eine unartige und eine bösartige Puppe, alle drei hängen im Netz wie gefangen im "Reich der Zeichen". Das Werk beschäftigt sich auf erstaunlich reife Art mit unserer medial und von Moden geprägten Lebenswelt, die oft genug oberflächlich ist und wenig Substanz zu bieten hat.



Das zweite Werk ist eine Gemeinschaftsarbeit von Annina Schumann und Miriam Bork, beide ebenfalls 15 Jahre, mit dem Titel "Dreiartig". Zu sehen sind drei Figuren unterschiedlicher Größe, die die drei Schlagwörter des Mottos "artig, unartig, bösartig" darzustellen scheinen. Offen bleibt, wer genau diese Figuren sind. Vielleicht drei Entwicklungsstufen vom artigen Kind zum bösartigen Dunkelmann mit Gewehr?



Besonders hervorragend ist hierbei die Darstellung der drei Figuren von der hellen, nach vorne blickenden Figur im Vordergrund bis zu der hohen schwarzen Figur, die vor dem schwarzen Hintergrund beinahe verschwindet. Das Bösartige versteckt sich gerne, während der artige Mensch keine Ahnung hat, was hinter seinem Rücken passiert.
Beide Werke erhalten je die Hälfte des ausgelobten Preisgeldes.



Publikumspreis der IKH 200,- Euro an Nina Groß

Aus der Eröffnungsrede von Rainer Kötterheinrich:

"Das Bestreben, Regeln des Geschmacks und der Ästhetik zu verletzen und sich auch in der inhaltlichen Darstellung über gesellschaftliche Normen hinwegzusetzen, kann den Künstler zu einer anderen Sicht auf die Dinge verhelfen, kann ihm helfen, die alltägliche Erfahrung der Wirklichkeit aufzubrechen, dies gestaltend umzusetzen und es uns (den Betrachtern) über das Werk zu vermitteln.

Das Bild einer 17 Jahre alten Teilnehmerin (Nina Groß) am Jugendkunstpreis , stellt eine junge Frau in einer eindeutig sexuellen Pose dar. Es wird ihnen zweifellos aufgefallen sein, Format, Farbe und Inhalt lassen es kaum zu, darüber hinwegzusehen.
Ich selbst muss zugeben, dass ich kräftig geschluckt habe und von ganzen Anzahl widerstreitenden Empfindungen gepackt wurde, als mir das Bild präsentiert wurde.



Obwoh Bilder diesen Inhalts heute über das Internet nahezu jedem Wohnzimmer frei zugänglich sind, behaupte ich, dass dieses Bild hier an dieser Stelle dennoch Tabu verletzend wirkt und die Meinungen der Betrachter polarisiert. Es wird diejenigen geben, die das Bild rundweg als Pornographie ablehnen und es nicht tolerieren, es wird diejenigen geben, die ihre inhaltliche Ablehnung hinter der Kritik an der künstlerischen Qualität des Werkes verstecken, andere werden sagen: gut, dass junge Menschen sich trauen, einen so zentralen Aspekt des menschlichen Leben so ungeschminkt darzustellen und die Möglichkeit haben, sich damit öffentlich auseinanderzusetzen. Viele möchten die junge Künstlerin vielleicht fragen, warum sie dieses Bild gemalt hat, trauen sich aber nicht, andere werden bei Gelegenheit genau diese Fragen stellen.

Kurz, ich bin sicher, dass dieses Bild bei vielen Emotionen und Diskussionen auslösen wird und sie veranlasst, Standpunkte zu verteidigen oder sie zu hinterfragen. Meiner Auffassung nach ist diese Diskussion ein Gewinn für das Anliegen der Kunst."