StartseiteWas es gabJugend-Kunstpreis 2009

Preis der Stadt Hennef

(Altersgruppe: 15. bis 17. Jahre)
Der Preis der Stadt Hennef geht an Marvin Steffens für eine Textilkunstarbeit, die im Rahmen einer Unterrichtsreihe an der Hennefer Realschule entstanden ist. Die Jury würdigt damit einerseits eine eher seltene Form künstlerischen Ausdrucks, mit der sich die Schülerinnen und Schüler der Realschule nun bereits zum zweiten Mal am Jugendkunstpreis beteiligen. Andererseits überzeugt insbesondere die Arbeit von Marvin Steffens, die das Thema „Du und Ich“ eindrücklich in einer Art textiler Fotocollage transportiert. Dabei bietet das erstaunlich reife Werk dem Betrachter keine Antworten. Vielmehr regt es dazu an, über Fragen wie „Wer bin ich, wer bist du? Wieviel von Dir ist in mir? Was verbindet uns?“ nachzudenken. Die auf zwei Personen reduzierte Darstellung und der fehlende Hintergrund verstärkt diese Wirkung noch.



Preis der Kreissparkasse Hennef

(Altersgruppe: 18. bis 25. Jahre)
Der Preis der Kreissparkasse Hennef geht an Nadine Ramtom für ihre vielschichtige Fotoarbeit „Altes bewahren, Neues entdecken“. Nadine Ramtom hat das Thema des Jugendkunstpreises „Du und Ich“ in beeindruckender Weise umgesetzt. Ihre Bilder erzählen eine Geschichte und spiegeln „Du“ und „Ich“ in einer Person, die in fünf Fotos eine vollkommene Wandlung durchlebt. Dabei bleibt offen, ob es sich um eine Entwicklung handelt, die mit dem fünften Bild abgeschlossen ist, oder ob es sich um zwei Identitäten handelt, zwischen denen die abgebildete Frau in ihrem Alltag immer wieder wechselt. Das Bild befasst sich somit einerseits mit der Frage der Identität und kann andererseits außerdem als Kommentar zu Themen wie Migration, Religion und „Kopftuchstreit“ verstanden werden. Auch technisch überzeugt das Werk durch eine hervorragende fotografische Umsetzung und eine wirkungsvolle Bearbeitung der Bilder.



Publikumspreis

Petra Freitag hat den Publikumspreis mit einer auf den ersten Blick unscheinbaren, kleinformatigen Bleistiftzeichnung gewonnen. Zu sehen ist ein die Zeitung lesender älterer Mann und eine aus dem Bild guckende ältere Frau. Beide sitzen auf derselben Parkbank. Blickrichtung und Haltung dieser Personen sind einander nicht zugewandt. Das Raster für das Bild bildet ein – noch unvollständiges- Puzzle. Im Vordergrund ist eine Hand, die ein Puzzleteil mit einem darauf gemalten farbigem Herzen hält, im Begriff, dieses Teilchen zwischen die Figuren, gleichsam als Pfeil des Amor, einzufügen.
Eine Darstellung, die geradezu dazu einlädt, eine Geschichte oder besser noch, viele mögliche Geschichten zu erzählen. Ungewöhnlich und überraschend ist die Darstellung älterer, unscheinbarer Menschen, die wir gewöhnlich nicht in erster Linie mit der Liebe zwischen Mann und Frau assoziieren, ungewöhnlich auch die sparsame Verwendung der Mittel. Der souveräne Umgang mit den unterschiedlichen Bildebenen und den zugeordneten Akteuren ermöglicht dabei Interpretationen, die nicht am Bildrand enden. Ein Lob für die Entscheidung des Publikums.

Lobende Erwähnung

Johanna Groß:
Kirche und Moschee mit zwei zugeordneten Figuren, die sich aufeinander zu bewegen, weisen auf emblematische Weise auf einen gesellschaftlichen Konflikt und dessen wünschenswerte Lösung hin. Einfach und eindrucksvoll.



Stefanie Waldau:
Mit einer kleinen Glasskulptur, bestehend aus zwei Figuren, vielen sie verbindenden Nylonfäden und eingeätzten Begriffen zu Beziehungsqualitäten macht Stefanie Waldau die möglichen Verbindungen zwischen zwei Menschen sinnfällig.



Sara Ludes:
Mit minimalem formalen Einsatz malt Sara Ludes ein inniges Mutter-Kind Verhältnis, das emotional stark beeindruckt. Nacht und Regen, in die Ecke gedrückte kaum erkennbare kauernde Figuren, definiert in ihrer Befindlichkeit und Bezogenheit allein durch ihre Haltung und ihre Augen, zeigen, dass weniger (Mitteleinsatz) mehr (Ausdruck) sein kann.



Lisa Besuch:
Ein junges Paar, vielleicht beim ersten Kuss, in Schwarz/Grau/Weiss gehalten, ist das Motiv. Etwas steif oder vielleicht unbeholfen, aber dennoch versunken in sich und den anderen, wirken die Akteure. Dies spiegelt das Bild durch die sparsame Farbgebung und die herantastende Formgebung und Pinselführung bei aller Einfachheit des Motivs wider.



Sebstian Mroseck und Ruth Boersama
Eine Fotoarbeit mit beiläufigen Schrecken, die die Schattenseite des Thema „Ich und Du“ beleuchtet, nämlich Gewalt, Totschlag und Desinteresse. Eine junge Frau zerschnippelt - gewissermaßen im Nachgang einer vorausgegangenen Bluttat, deren Opfer im Hintergrund im eigenen Blut liegt- emotional unbeteiligt mit einem blutverschmierten Messer eine Gurke.
Alltagshorror, der sich erst beim zweiten Blick erschließt.



Moritz Schnackenburg, Jan Maurice Wolter und Lena Erhard
Ein junger Mann küsst(?) ein gemaltes Bild, das die Büste einer jungen Frau darstellt. Das Bild wiederum wird gehalten von einer Person, die nur durch die das Bild haltenden Hände und einen kleinen Teil des Unterkörpers erkennbar wird und wieder fotografisch dargestellt ist.
Neben dem Motiv zum Thema ist hier das Problem Bild-Realität auf erstaunlich weitgehende Weise aufgegriffen.