StartseiteWas wer schafftMichael Wagner

Michael Wagner

Crickelacrack

Wo steh ich? Was tu ich? Wer kann mich inspirieren? Wo will ich hin?
Das sind die Fragen, die ich mir stellte, bevor ich den Text verfasst habe.

Das weiße Blatt, ein Kaffee und im Kopf die Frage, die so viele Künstler scheuen, wie der Teufel das Weihwasser: „Wat mach ich eigentlich hier und wozu is dat gut?“ Sich auszudrücken ist gefragt, eine Position beziehen, das Werk beschreiben. Ich habe Vorbilder. Newmann, Rothko, Graupner, Tapies, Serra, Beuys, Tuttle, Paik, Naumann, Balkenhol, Rauch, Eitel.

Ich habe einige Zeit minimalistische Kleinplastiken á la Erwin Heerich gebaut und Rothko kopiert. Damit war ich zufrieden. Das hielt aber nicht lange an.
Was dann machen? Was Eigenes? Aber was und wie? Und über allem der mächtige Schatten von Joseph Beuys. Den ich ja nur in Ansätzen verstanden habe und dessen Begriff von der sozialen Plastik wie kein anderer immer wieder falsch zitiert wird.

Wozu soll das gut sein, was ich mache? Schwierig, leichter ist die Frage zu beantworten, was ich nicht will. Ich will keine Lifestyle-Kunst machen. Dann kann ich mich gleich mit der Staffelei in den Obi setzen. Da gibt’s dann noch die passenden Verbindungsstücke für das dreiteilige Bild. So nicht.
Ich suche gern und entdecke, füge Dinge zueinander, die eigentlich nicht passen. Dieser neue Kontext ist für mich reizvoll. Malen, bildhauern, fotografieren, alles ist eine Suche.

Ich brauche eine Auseinandersetzung mit dem Material, will Widerstand spüren, Grenzen fühlen, überwinden. Das soll der Betrachter erleben. Was soll er sonst noch? Nachdenken soll er, ich will nix Gefälliges produzieren. Irritiert sein darf er auch, das ist nicht schlimm. Sogar gut.

Ich mache gern Aktionen, das habe ich bei dem Burka-Happening für mich entdeckt. Das rückt mich in die Fluxus/Dada-Ecke. Macht nix, zu der Zeit war Kunst auch politisch und nicht nur schön. Zitat Emmett Williams: „Das Leben ist ein Kunstwerk und das Kunstwerk ist Leben.“ Da schaut er wieder über die Schulter, der Joseph.

Wenn Menschen Kunst als einen Teil ihres Daseins erleben könnten und nicht sofort nach dem Sinn fragen würden, dann wäre viel erreicht. Vielleicht will ich da hin. Und weiter suchen.