Malerei, Grafik und Objekte
Mitglied der INITIATIVE KUNST HENNEF e.V. Mitglied der GEDOK - Bonn
Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Möglichkeiten, das Leben verständlich zu machen, hat mich immer besonders interessiert.
So entstand z.B. das Tonobjekt "Labyrinth" und der Collagenzyklus Schattenspiele I-VIII, nachdem ich mich auf die Suche nach der eigenen Mitte gemacht habe.
Nachfolgend die wichtigsten und spannensten Textpassagen und Zitate, die meine Arbeiten inspiriert und begleitet haben. |
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Hermann Kern deutet das kretische Symbol des Labyrinths, das gewisserma§en am Beginn der minoischen Kultur und damit an den Wurzeln abendlŠndischer Zivilisation steht, als Weg der Selbsterfahrung.
"Wir haben eine runde Außenform, die nur durch eine kleine Öffnung mit der Außenwelt verbunden ist. Von dieser Außenform aus gibt es einen einzigen Weg, allerdings mit sehr vielen Windungen, die den gesamten Innenraum ausfüllen, der dann bis zu einem Zentrum führt. Ich sehe das als Initiationsfigur und Initiation bedeutet symbolischer Tod und symbolische Wiedergeburt. Das lässt sich einigermaßen belegen, wenn man sich in die Situation dessen hineinversetzt, der versucht in diese Anlage hineinzugehen. Er wird zunächst einmal durch den abweisenden Charakter abgeschreckt. Dieser Innenraum ist gegenüber dem Außenraum ziemlich hermetisch abgeschlossen.
Die vielfältigen Windungen und die Unübersichtlichkeit der Anlage verwirren. Die Person traut sich erst dann hinein, wenn sie eine bestimmte Reife, ein bestimmtes Selbstvertrauen hat, was genau der Situation einer Altersinitiation entspricht; in der aus dem sozial und sexuell unmündigen Kind der mündige und sozial gleichberechtigte Erwachsene wird.
Dieser geht dann in das Labyrinth hinein und wird auf dem Weg zum Ziel durch ein Maximum an Umwegen und durch ein Maximum an Kraft- und Zeitverlust geplagt. Diesen Vorgang kann man als die initiatorische Prüfungssituation im Zentrum sehen. Man begegnet dort nicht dem Minotaurus, sondern sich selbst, seiner Gottheit oder wofür auch immer Zentrum oder Mitte stehen mag. Jedenfalls bietet das Zentrum die Möglichkeit und auch den Platz für eine Erfahrung, die so grundlegend ist, dass diejenige Person dann kehrt machen muss. Und zwar auf dem Absatz muss er kehrt machen, denn wenn jemand seine Gehrichtung um 180¡ wendet, dann bedeutet das gleichzeitig, dass er sich von seiner Vergangenheit so radikal löst, wie überhaupt nur denkbar.
Das bedeutet eine Aufhebung seiner bisherigen Existenz, die im Zentrum geendet hat und das bedeutet gleichzeitig, dass er als quasi Wiedergeborener aus dem Labyrinth wieder herausgeht."
Quelle: Jürgen von Scheidt |
Vermutungen und Spekulationen
Die Vermutungen und Spekulationen über Bedeutung und Entstehung des Labyrinth-Symbols dürften schon so alt sein wie das Symbol selbst. Hermann Kern, der wohl profundeste Kenner der Materie, schreibt:
"Die Ethymologie bleib leider - trotz zahlreicher Deutungsversuche - bis heute ungeklärt. Die früher hauptsächlich vertretene Gleichung "Labyrinthos = Haus der Doppelaxt (Labyrys) - Palast von Knossos auf Kreta" hat sich aus einer Vielzahl von Gründen als unhaltbar erwiesen." (Details bei Kern, S. 17 und 46 f.).
Brinna Otto nimmt Kerns solide Analyse der Herkunft und Bedeutung des Wortes "Labyrinth" in ihrem 1997 erschienen Buch über König Minos nicht zur Kenntnis und tradiert die Bedeutung als "Haus der Doppelaxt [Labrys]". Die selbe ethymologische Ableitung findet man in der Encarta von Microsoft und anderen Nachschlagewerken.
Wir schließen und Hermann Kern an und lassen die Ethymologie im Dunkeln. Das passt auch recht gut zum Wesen dieses Symbols und zu seiner tiefenpsychologischen Aussage - geht es doch nicht zuletzt umd das Vordringen in Tiefe und Dunkelheit der eigenen Mitte im Kern des Labyrinths. |