Guten Tag, Herr Fiessel, hier ist Willem von Arts&Farts am Telefon. Wir haben schon mal vor längerer Zeit einen Bericht über Sie gebracht. Wie wollten mal hören, ob es was Neues von Ihnen gibt.
Ah, ich kann mich erinnern. Dass es Euch noch gibt. Schön, und selbst?
Man wurstelt sich so durch. Aber zurück zu Ihnen. Was macht die Kunst?
Der Kunst geht es gut, zumindest, was ich so von ihr höre. Leider hat sie in der letzten Zeit öfter Magenprobleme. Es stösst ihr sauer auf, was da so alles in ihrem Namen veranstaltet wird. Nach all den Jahren immer noch angemalte Plastikkühe und -schafe in der City, kilometerlang Biertischgarnituren auf einer gesperrten Autobahn, jede Mülltonne wird mittlerweile illuminiert, Klangkunst zum Vertreiben Obdachloser von ihren Treffpunkten, RWE pimpt die Stromverteilerhäuschen mit Bühnenmalerei* auf, ich könnt mich aufregen.
Mal provokativ in den Raum geworfen: Das ist doch der pure Neid.
Da könnte was dran sein. Wahrscheinlich ist es Neid, dass immer seltener Künstlerinnen und Künstler darüber entscheiden, welche ästhetischen Wahrheiten das Licht der Welt erblicken. Was sich da so tummelt, das erinnert an die Fliegen am Müllkübel.
Starkes Bild.
Ja. Ist aber nicht von mir. War ein amerikanischer Krimiautor mit seiner Meinung zum Fernsehen.
Und sonst geht es gut?
Ich hoffe. Als Nächstes mache ich aus Neid ganz was Verrücktes. Aquarelle, Portraits, Stadtlandschaften, so richtig schön. Und alle werden sich fragen: Wo hat er denn jetzt wieder seine Ironie, seine Boshaftigkeit versteckt?
Da sind wir aber mal gespannt.
Danke für das Gespräch.
*hervorragende handwerkliche Arbeit
Mein aktuelles Kunstmotto: "Kunst ist nicht ein Spiegel, den man der Wirklichkeit vorhält, sondern ein Hammer, mit dem man sie gestaltet" (Karl Marx 1818-1883)
Dieses wunderbare Zitat aus der Handwerkswelt hat in den letzten zwei Jahren meine Arbeiten verändert. Einerseits arbeite ich aktuell politischer und andererseits gestattet mir die Digitalfotografie einen Blick auf die Absurditäten des Alltags. So griff zum Beispiel das Museum der Violenz schon 2008 das Thema Schläge in der (Heim)Erziehung auf oder 2009 wurde der Bundestagswahlkampf als Bedrohung aufgefasst. |