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Startseite Was wer schafft
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Rainer Kötterheinrich - Malerei und Bildhauerei |
Statement:
»Das Wahre ist und bleibt meiner Auffassung nach ein zentrales Problem der Kunst. In dem Maße, in dem die Kunst uns über Intuition und Intellekt, über Sinne und Verstand mit den Aspekten des »Für wahr Nehmens« konfrontiert, in dem sie uns die Möglichkeiten und Begrenzungen unseres Erkennens erfahren läßt, in dem Maße, in dem sie unsere Alltagswahrnehmung irritiert und unsere Wahrnehmungsmuster wieder zum Fließen bringt, in eben diesem Maße wird sie Kunst«. |
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Kunst oder was?
Das ist keine Kunst ! Und warum nicht? Weil es kein Bild ist. Ja und? Ne Figur kann auch Kunst sein. Ja, meinetwegen. Also, warum ist das keine Kunst? Weil es nich schön is? |
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Ist eine Kreuzigung, wie die vom Beckmann, vielleicht schön ? Ne, nicht direkt! Oder die Bilder vom Picasso, findeste die schön? Ne, auch nicht direkt. Oder das Pissoir vom Marcel Duchamp? Ne, nicht schön! Oder die Fettnäpfe mit Filz vom Beuys? Ne, schon gut, schon gut. Also, warum ist das keine Kunst? Weil es nicht vom Künstler is ! Ist doch von mir und ich bin Künstler! Ne, biste nich! Warum nicht? Weil du keine Kunst machst! Nein, das bringt so nix, da drehst du dich im Kreis. Das ist keine Kunst, weil es nicht vom Künstler ist und der Künstler ist keiner, weil er keine Kunst macht. Ne, so nicht. O.k,ok., aber das Ding bringt mir einfach nix, das ist langweilig und tot. Ja, und weil du damit nichts anfangen kannst, is dass jetzt keine Kunst oder was? Ja, genau! Ne! Wie, ne? Dann wärst du doch derjenige, der entscheidet, ob was Kunst oder nicht. Und der Nächstbeste macht es genauso u.s.w. Das kann doch wohl nicht sein, dass jeder für sich so entscheidet, ob das jetzt Kunst ist oder nicht. Wär aber nich schlecht. |
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Wär aber nich schlecht. Ja, denk ich vielleicht mal drüber nach, aber warum sagt dir das Ding nix? Ist eben nur ein Tisch mit einer Decke drauf, wo ein Spruch drauf is. Kann ich mir zu Hause auch selbst hinstellen. Darum geht’s gar nicht, aber der Spruch “ Solange du die Füße unter meinen Tisch….“, kennst du den nicht und der Spruch hier am Deckenrand genau über den Schuhen unterm Tisch, |
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wo keiner mehr drinsteckt, fängst du da nicht an zu denken. Ja, vielleicht ein bisschen, aber irgendwie macht mich das dann depri. Ja und? Bei Kunst angucken musste dich gut fühlen, so ein bisschen abgehoben, in höhere Gefilde, verstehste ? Nä! Wieso jetzt nicht, bist doch sonst so ein Klugscheißer! Trotzdem, das mit den Gefilden versteh ich nicht. Houu Maan, bei Kunst gucken muß man so ein bisschen abheben können und nicht dauernd an den normalen Scheiß denken müssen. Ach! Ja! Ist dir das schon mal passiert? Nä …….doch, das war ein Bild mit ner nackichen Frau drauf, von Molani oder so? Modigliani heißt der, aber das fandest du doch nur gut wegen der Nackten und weil du da einen Ständer gekriegt hast. Ouuu, bist du primitiv, nä das war anders. In das Bild hab ich mich richtig verguckt, ich glaub ich da wohl ne halbe Stunde vorgestanden und war völlig weg. Ja und warum ? Weil es ne schöne Frau war, die der Modigliani gemalt hat ? Nä, so schön war die Frau eigentlich nicht, die war viel zu lang, alles Arme, Beine ,Kopf, Bauch, alles. In echt hätte die wahrscheinlich wie ein Monster ausgesehen. Ja, und warum hat dich das so angemacht? Weiß ich nicht, war aber wohl eher das ganze Bild als die Frau, obwohl, vielmehr war auf dem Bild ja nicht drauf, sonst nur noch Hintergrund. Und das war Kunst? Ja, mein ich wohl. Außerdem war das teuer. Woher weißt du das jetzt ? Stand im Museumsführer, ich glaub, dass die über ne Million Euro dafür bezahlt haben . Für deinen Tisch mit Decke musst du noch draufzahlen, wenn du das loswerden willst. Du bist echt ein ganz Großer, nur weil ein Bild viel kostet ist es jetzt Kunst, oder was? Hab ich ja nicht gesagt? Und was soll das dann? Ich mein ja bloß! Was meinst du ? |
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Also wenn da Leute , die was davon kennen, auch noch viel Geld für ausgeben, dann muss das doch wohl was sein. Die geben doch die Kohle nicht für nix aus. Ja, ist vielleicht was dran, aber ich glaub, dass gerade bei der Kunst wirklich ne Menge Geld für Mist ausgegeben wird. Und mein Werk ist sowieso nicht zum Verkaufen, ist eher Museumskunst. Das sollen viele Leute sehen und sich so ihre Gedanken machen und mit mir drüber reden.
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Erzähl keinen Scheiß, glaub ich dir nicht. Wenn du wählen könntest – entweder verkaufen für sag ich mal 1000 Euro oder ne halbe Stunde drüber quatschen- da bin sicher, du nimmst den Tausender. Wenn einer tausend zahlen würde, würde der auch ne halbe Stunde mit mir drüber reden wollen, da bin ich sicher. Trotzdem, ich sage, dass ist keine Kunst. Doch isses, und ich sage dir auch warum. Da bin ich jetzt aber mal gespannt! Weil es erstens : originell ist, das gibt’s nur einmal und bis jetzt überhaupt noch nicht. Und zweitens: Ich mir Gedanken dazu gemacht habe. Und drittens: Andere sich auch was anderes dazu denken können Und viertens: Weil es eben nichts anderes ist; ist nicht zu gebrauchen, ist kein Kitsch, kann man nicht mit fahren, kann man nicht essen Und fünftens: Habe ich es als Kunst hier ausgestellt Und sechstens: Sagt es was, was nicht nur mich angeht sondern auch ne Menge anderer Leute betrifft Und siebtens Na, ja, reicht jetzt wohl, mein ich.
Fussball ist einfacher! |
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Was soll ich malen?
"Was soll ich malen?", damit habe ich als Kind meine Mutter genervt, wenn mir mal wieder nichts anderes einfiel als Häuser, Blumenwiesen , Autos und Menschenmännekes. Meine Mutter konnte mir aber auch nicht weiterhelfen, weil ich das, was sie vorschlug , nicht malen wollte. Meinem Vater fiel lediglich ein, Häuser in Dreiseitenansichten wie in Architekturzeichnungen , aufs Papier zu bringen. |
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In meinen ersten Schuljahren auf dem Gymnasium habe ich einen Freund bewundert, der wie geölt Comics nachzeichnen konnte. Meine Versuche in dieser Richtung endeten kläglich mit Seitenansichten , die unabhängig von den Figuren, die ich eigentlich zeichnen wollte, alle irgendwie gleich aussahen. Ich habe mich dann auf Segelschiffe in der Seitenansicht beschränkt, die allerdings auch nach einiger Zeit alle wie geklont aussahen.
Im Studium kam ich dann dem Geheimnis der Perspektive auf die Spur und lernte beim technischen Freihandzeichnen deren Gesetze anzuwenden.
Beim Selbststudium "Zeichnen nach der Natur", also Dinge unserer Umgebung abzuzeichnen, erwies sich eine Schwierigkeit als besonders hartnäckig: Ich vertiefte mich derart penetrant in Einzelheiten, dass oft der Gesamtzusammenhang des Bildes verloren ging und auch der Ausschnitt, den ich eigentlich zeichnen wollte, nicht mehr auf das Blatt passte. Genau an dieser Stelle wurde mir bewusst, das Abzeichnen eben nicht nur abzeichnen ist, sondern bereits viel Abstraktionsarbeit verlangt und zwar so, dass das wichtige Detail aufs Papier kommt und das unwichtige wegbleibt. Zu erkennen, was wichtig und was unwichtig ist, ist eine wirkliche Herausforderung. |
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Der nächste Schritt war, eigene Bilder zu malen, also solche , die nicht in erster Linie abgebildet haben, sondern die ich als neue, eigenständige Dinge in unsere Welt gesetzt habe. Und hier musste ich mich von dem Ballast meiner Typographie, |
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meiner vorgefertigten bildlichen Symbole befreien, was viel schwerer fällt, als viele gemeinhin annehmen. Versuchen Sie es, nehmen Sie sich ein Blatt Papier Stifte, Farben, Pinsel oder was Sie sonst zur Hand haben und versuchen Sie ein abstraktes, nicht figürliches Bild zu malen. |
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Und jetzt nehme ich mir die Freiheit – und unsere Zeit toleriert das – zu malen, wonach mir der Sinn steht: Ich erzähle Geschichten, benutze Symbole, zeichne, kopiere, fotografiere, werfe alles zusammen, ziehe es wieder auseinander, übertrage von einem Medium ins Andere und wieder zurück: kurz: ich tue was ich will, wohl auch, weil ich mir das in anderen Lebensbereichen nicht erlauben kann und will.
Fragen Sie mich zu meinen Bildern, fragen Sie mich, was die sollen, was ich damit sagen will, nach der Moral von der Geschichte und was Ihnen noch einfällt. Sie bekommen eine Antwort – heute Abend. Ob diese allerdings auch morgen noch so ausfällt, lasse ich mal dahingestellt , vielleicht, vielleicht nicht. Die Dinge ändern sich, so auch meine Ansichten über meine Bilder. |
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